Argumente der Logik und Erkenntnistheorie

"Wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein."
Urheber unbekannt

"Ist der Glaube an keinen Gott nicht auch ein Glaube?" oder "Das Einbrecher-Argument"

Ist denn nicht der Glaube an keinen Gott ebenso ein Glaube wie der Glaube an Gott? Sind denn nicht beide Theorien aufgrund ihrer jeweiligen Unbeweisbarkeit gleichgestellt?

Man hört dieses Pseudo-Argument früher oder später in jeder derartigen Debatte. Es gaukelt jedoch eine Gleichartigkeit vor, wo keine ist. Der Glaube an keinen Gott ist kein Glaube, da er völlig inhaltslos ist.

Genausogut könnte man fragen: Ist es nicht auch ein Hobby, keine Briefmarken zu sammeln? Ist Glatzköpfigkeit nicht auch eine Haarfarbe? Ist Nichtrauchen nicht auch eine Sucht? Natürlich alles Unsinn, aber warum?

Hier eine überarbeitete Version meines Einbrecher-Arguments, quasi das Einbrecher-Argument 2.0 (Special Edition):

"Hast du eigentlich noch deinen Birkenholz-Schreibtisch?"
"Nein, leider nicht."
"Warum nicht?"
"Bei mir wurde eingebrochen, und der Schreibtisch wurde gestohlen."
"Oh. Und hast du dir einen neuen gekauft?"
"Das ist nicht nötig gewesen, der Einbrecher hat einen neuen Schreibtisch anfertigen lassen und ihn mir in die Wohnung gestellt."
"Das ist ja seltsam."
"Ja."
"Und wie sieht der neue Schreibtisch aus?"
"Genau wie mein alter."
"Dann wollte der Einbrecher dir eine Freude machen?"
"Wie kommst du darauf?"
"Naja, weil du doch jetzt einen neuen Schreibtisch hast."
"Aber er sieht exakt so aus wie mein alter, mit allen Dellen und Verfärbungen und so."
"Dann hast du an irgendwelchen Einbruchsspuren gesehen, dass jemand ihn ausgetauscht hat?"
"Nein, es gab keine Einbruchsspuren. Vermutlich hat der Einbrecher alle Spuren beseitigt."
"Aber wie kommst du dann zu der Auffassung, dass überhaupt jemand eingebrochen hat?"
"Naja, es wäre doch eine Erklärung dafür, dass alles genauso aussieht wie vorher."
"Das verstehe ich nicht. Wäre es nicht vernünftiger, anzunehmen, dass niemand eingebrochen hat?"
"Nein. Man kann beide Theorien nicht beweisen, daher sind sie gleichwertig."

Ich komme nach Hause. Nichts hat sich verändert. Und ich denke: Heilige Salatschüssel, bei mir wurde eingebrochen.

Die Frage ist: Bin ich noch zu retten? Vermutlich nicht. Wenn ich nach Hause komme, und es hat sich nichts verändert, wäre es vernünftig, davon auszugehen, dass in der Zwischenzeit niemand im Haus war. Je komplizierter der Einbruch, desto unwahrscheinlicher.
Die Frage ist nicht allein, ob man etwas ausschließen kann oder nicht. Ich kann nicht ausschließen, dass tatsächlich jemand eingebrochen hat, aber solange ich keine direkten Hinweise darauf habe, sind die Theorien, dass jemand eingebrochen hat und dass niemand eingebrochen hat, alles andere als gleichwertig.

Ein Mensch, der an etwas glaubt, was nicht völlig ausgeschlossen werden kann, auf das es aber keine Hinweise gibt und das besser durch eine andere Theorie erklärt werden könnte, verhält sich unvernünftig. Würde ich die Einbrecher-Theorie vertreten, wäre die Beweislast auf meiner Seite. Ich müsste mich dafür rechtfertigen, welchen Grund ich für diese Annahme hätte, und es wäre völliger Blödsinn, wenn ich auf der Arbeit behaupten würde "Hey Leute, bei mir wurde eingebrochen!" und würde dann diese Geschichte erzählen. Wohlgemerkt - dass bei jemandem eingebrochen wird, ohne dass der Betreffende davon Kenntnis erlangt, mag gelegentlich vorkommen, aber die Geschichte mit dem ersetzten Schreibtisch ist es, worauf sich mein Argument bezieht.

Die Beweislast liegt nach dem Prinzip von {URL http://de.wikipedia.org/wiki/Ockhams_Rasiermesser Ockhams Messer} bei demjenigen, dessen Theorie komplizierter ist. Es sollte klar sein, dass mir niemand beweisen muss, dass bei mir nicht eingebrochen wurde, um mich von diesem Glauben abzubringen. Wenn ich behaupte, bei mir wurde eingebrochen, muss ich dafür Belege haben, ansonsten mache ich mich nicht nur lächerlich, sondern sorge auch dafür, dass an meiner geistigen Gesundheit gezweifelt wird.

An Gott zu glauben und daran zu "glauben", dass es keinen Gott gibt, ist nicht gleichwertig. Ich brauche nicht zu "glauben", dass es keinen Gott gibt, es hat mit "Glauben" nichts zu tun. Solange niemand eindeutig beweisen (oder zumindest glaubhaft belegen) kann, dass es Gott gibt, ist es vernünftig anzunehmen, dass es so etwas wie Gott nicht gibt. Solange es nicht einen Grund dafür gibt, von der Einbrechertheorie überzeugt zu sein, wäre der Glaube daran völlig irrational und an den Haaren herbeigezogen.

Es mag auf den ersten Blick ein wenig überraschend sein, aber der Glaube an Gott ist leider nicht nur so unsinnig wie der Glaube an einen Einbruch, sondern noch um einige Größenordnungen unvernünftiger. Warum?
Ein Einbruch ist etwas, was alltäglich irgendwo auf der Erde geschieht - wir sind es gewohnt, davon zu hören, und falls bei mir eingebrochen wird, wird es mich zwar überraschen und entsetzen, aber es ist nicht unglaubwürdig oder unmöglich. Es ist zwar sehr unglaubwürdig, dass der Einbrecher einen neuen Schreibtisch ganz im Stile meines alten für mich anfertigt, aber unmöglich ist auch das nicht.
Bei Gott liegt die Sache ganz anders. Wir halten es gemeinhin für unmöglich, dass es Wesen mit übernatürlichen Superkräften gibt, die nicht an die Naturgesetze gebunden sind. Sollte Gott wirklich die einzige Ausnahme sein? Alles unterliegt den Naturgesetzen, bloß nicht Gott, an den ich glaube, obwohl es keine Hinweise auf ihn gibt? Ganz ehrlich, das ist eine der lächerlichsten denkbaren Behauptungen.

Also: Es gibt keinen atheistischen Glauben - eine Weltsicht, die Gott ausschließt, ist ganz einfach das, was übrig bleibt, wenn es keine schlüssigen Hinweise auf Gott gibt, die überzeugender sind die Hinweise auf alternative Erklärungen.

Wer an Gott glaubt, sollte sich meines Erachtens besser des Grundes dafür bewusst sein. Und sich fragen, ob es ein wirklich, wirklich guter Grund ist.

"Mit deinem Einbrecher-Argument stellst du religiöse Menschen als dumm dar. Das empfinde ich als eine Beleidigung!"

Um religiös zu sein, muss man entweder über eine unzureichende Bildung oder aber die Unfähigkeit verfügen, in dieser Hinsicht ein vernünftiges Urteil zu fällen. Ich möchte diesen Satz erst einmal so stehen lassen, weil ich ihn ernst meine und durch meine weiteren Anmerkungen nicht verwässern möchte.

Unzureichende Bildung kann natürlich zu Religiosität beitragen. Wer nicht weiß, wie er sich die Welt anders erklären soll, wird mit der Hypothese Gott liebäugeln. Wer nicht weiß, wie zahlreich und lückenlos die Belege für ein Universum ohne Magie, Götter, Feen und Dämonen sind, wird sich möglicherweise der Religion hingeneigt fühlen.
Ebenso, wer nicht genug Vernunft aufbringt, diese zahlreichen Belege richtig zu deuten oder einzuschätzen.

Wenn du dich beleidigt fühlst und dich die Belege nicht überzeugen, dann empfehle ich dir, dich mit der wissenschaftlichen Denkweise vertraut zu machen und ein Basiswissen über Kosmologie, Evolution, Genetik und statistischer Signifikanz zu erwerben. Die grundlegenden Theorien dahinter sind einigermaßen leicht zu verstehen und auch dort stichhaltig, wo sie dem gesunden Menschenverstand zunächst zu widersprechen scheinen. Überwinde diesen Punkt - falls notwendig, durch Recherchen im Internet zu einzelnen Fragen - und frage dich dann nochmals, inwiefern es im heutigen aufgeklärten Zeitalter noch vernünftig sein kann, an Gott zu glauben.

"Indem Atheisten behaupten, dass es keinen Gott gibt, müssen sie ja doch irgendwie an ihn glauben."

Entschuldigung. Viele mögen diesen Absatz als Platzverschwendung ansehen, aber ich habe dieses haarsträubende Argument schon öfter gehört. Es wird hierbei kritisiert, dass Atheisten, indem sie Gott ablehnen, den Begriff Gott benutzen und somit ja anscheinend schon in ihr Weltbild integriert haben.
Ich selbst bin Naturalist und glaube, dass es in der Natur keinen Hokuspokus gibt. Dies hat zur Folge, dass ich auch Atheist bin. Machen wir ein kleines Gedankenexperiment: Du denkst dir ein völlig neues Fabelwesen aus, dessen Existenz den Naturgesetzen widerspricht, okay? Aber sage mir nicht, welches es ist... Gut, bist du bereit?
Ich glaube nicht dran!
Also, ich habe keine Ahnung, welcher Art dein Fabelwesen ist und welche Eigenschaften es hat, aber sofern es dem naturalistischen Ansatz widerspricht, bin ich mir praktisch sicher, dass es nicht existiert, und das auch, ohne es zunächst verinnerlicht zu haben. Die anfängliche Behauptung ist so formuliert, dass sie zur Folge hätte, dass jeder Mensch alles glauben muss, und das ist offensichtlich Blödsinn.

"Ich sage lieber, dass ich nicht weiß, ob es Gott gibt oder nicht."

Dann bist du ein Agnostiker. Das klingt doch nett - ob es einen Gott gibt oder nicht, weiß man einfach nicht. Das mag wissenschaftlich korrekt sein, aber nach meinem Einbrecher-Argument dürfte man dann so gut wie überhaupt keine Frage beantworten.
Kann aus Brotschimmel und Urinstein spontan eine menschliche Leber entstehen? Man weiß es nicht.
Können Grizzlybären aus eigener Kraft fliegen? Man weiß es nicht.
Können Hunde bellen? Man weiß es nicht.
Verbrenne ich mich, wenn ich meine Hand in ein Lagerfeuer halte? Man weiß es nicht.
Mit der "Man weiß es nicht"-Einstellung beraubt man sich nicht nur seiner Handlungsfähigkeit. Sie impliziert eine komplette Verleugnung aller kognitiven Fähigkeiten. Sie degradiert den Menschen zu einem Nichts. Agnostizismus hört sich zunächst nicht weiter schlimm an, ist er aber.

Wenn es Gott wirklich geben sollte, hat er eines oder mehrere der folgenden Dinge getan:
a) das Universum erschaffen
b) die Naturkonstanten so eingerichtet, dass Materie entstehen kann
c) die Erde so platziert, dass Lebewesen entstehen können
d) Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen
Und dann hat er Fossilien versteckt, die dafür sorgen, dass alles ganz anders aussieht, als es ist. Er hat haufenweise idiotische Designfehler gemacht, zu denen ich weiter unten ein paar Beispiele zeige. Er hat dafür gesorgt, dass die Erde und das gesamte Weltall den Eindruck machen, als gäbe es ihn, Gott, nicht. Er hat dafür gesorgt, dass alles so aussieht, als wären die Lebewesen durch Evolution entstanden.

Ehrlich: Ähnelt das nicht stark der Einbrecher-Theorie? Gott hat alles mögliche gemacht, dann aber komplett seine Spuren verwischt, so dass man keine Rückschlüsse mehr auf ihn ziehen kann? Diese Theorie ist ebenso lächerlich wie die Einbrecher-Theorie.

Ich kann die Gründe für eine agnostische Position verstehen, würde aber beispielsweise nicht wollen, dass ein agnostischer Lehrer meinem imaginären Kind beibringt, dass man nicht weiß, ob Elefanten fliegen können oder nicht. Die Gotteshypothese ist dermaßen unwahrscheinlich, dass man regelrecht Gewalt anwenden muss, um sie aufrecht zu erhalten. Warum, warum, warum? Elefanten gibt es, und es gibt auch Vögel, die fliegen können. Die Existenz fliegender Elefanten ist deshalb einigermaßen gut vorstellbar und widerspricht nicht direkt den Naturgesetzen. Trotzdem hoffe ich, dass es unter uns keine Agnostiker in Bezug auf fliegende Elefanten gibt. Für die unendlich viel unwahrscheinlichere Hypothese, dass es einen Gott gäbe, gibt es keine Belege. Ganz im Gegenteil - sie widerspricht den Naturgesetzen und allem, was wir kennen. Wer den fliegenden Elefanten nicht agnostisch gegenübersteht, DARF also quasi kein Agnostiker hinsichtlich der Existenz eines Gottes sein. Also: Warum sind Menschen Agnostiker in Bezug auf Gott, aber nicht in Bezug auf fliegende Elefanten? Weil die Existenz eines Gottes ihnen wünschenswert erscheint. Das ist der Grund, und dieser Grund ist legitim, aber unsinnig.

"Die Nichtexistenz Gottes ist nicht beweisbar."

Diesen Satz unterstreiche ich hiermit gern: Wie man sich auch dreht und wendet - die Nichtexistenz Gottes ist tatsächlich nicht beweisbar. Dass das jedoch kein Beleg für dessen Existenz ist, zeigt folgende Aussage:
Wenn ich in den Wald gehe und dreimal in die Hände klatsche, erscheint eine gute Fee.
Ich kann das problemlos überprüfen, indem ich genau das mache - ich gehe in den Wald und klatsche dreimal in die Hände. Natürlich tut sich nichts. Aber vielleicht erscheint sie ja, wenn ich viermal klatsche. *klatsch* Wieder nichts. Auch nach dem fünften Mal Klatschen tut sich nichts. Vielleicht ist es ja der falsche Wald. Und vielleicht erscheint die Fee ja gar nicht dort, wo ich gerade bin, sondern ganz woanders...
Der Glaube an Gott ist ebenso irrational wie das obige Beispiel. Wenn Gott irgendetwas "sinnvolles" macht, ist es klar, dass es ihn geben muss, und wenn nicht, sind seine Wege unergründlich. Hat man Glück, begründet man dies mit der Anwesenheit eines Schutzengels, hat man Pech, dann wird das schon irgendwie seinen Sinn haben. Vielleicht wird man ja geprüft oder so.
Die Nichtexistenz allen möglichen Schwachsinns ist nicht beweisbar. Ich kann nicht beweisen, dass kein grünes Mürbeteig-Monster entsteht, wenn ich Bananen und Distelöl im genau richtigen Verhältnis miteinander mische. Wenn es nicht klappt, stimmte eben das Verhältnis nicht.
Ich kann nicht beweisen, dass kein Mensch fliegen kann. Vielleicht können 10 Prozent aller Menschen fliegen, aber keiner macht es, um sich nicht zu verraten.
Ich kann nicht beweisen, dass mein Laptop nicht aus Schokolade ist. Selbst wenn ich einen chemischen Test mache, könnte jemand mein Gehirn manipulieren, um mich glauben zu machen, das Ding bestünde aus ...naja, dem Zeug, aus dem es eben besteht.
Es gibt unendlich viele Dinge, deren Nichtexistenz man nicht beweisen kann, ja, im Prinzip kann man so gut wie gar nichts wirklich beweisen. Warum also sollte man ausgerechnet an Gott und nicht an eine allmächtige Nasenflöte oder ein barmherziges Knäckebrot glauben? Letztendlich gibt es keine Hinweise auf eines der genannten Dinge. Und genauso wenig gibt es Hinweise auf die Existenz Gottes.

"Vielleicht leben wir auch in einer Art Matrix als virtuelle Wesen. So etwas kannst du nicht ausschließen!"

Welchen Sinn sollte es haben, zu glauben, dass unsere Welt eine ganz andere ist als die, die zu sein sie den Anschein macht? Sicher, unser Gehirn denkt in Modellen, weil es zu nichts anderem in der Lage ist. Die Wirklichkeit ist garantiert nicht das, was ich oder irgendjemand anders in ihr sieht. Das Nervensystem (inklusive Gehirn) übersetzt die Wahrnehmungen der Sinnesorgane in eine Art Bilder- oder Symbolsprache, die für den menschlichen (oder tierischen) Geist verständlich ist. Wer aber den Gedanken der virtuellen Realität favorisiert, geht davon aus, dass wir absichtlich in unserer Wahrnehmung getäuscht werden. Das Beispiel wurde absichtlich deshalb gewählt, weil es eine der unglaublich wenigen denkbaren Welten darstellt, in der wir uns tatsächlich mit unseren Erkenntnismethoden die Zähne ausbeißen. Es gibt keinerlei Belege für diese Täuschung und auch keinerlei Gründe, nach einer solchen Täuschung zu forschen. Wir müssen uns damit abfinden, dass die oben erwähnte Einbrecher-Theorie purer Schwachsinn ist, solange es keine gegenteiligen Belege gibt. Wie man es auch dreht und wendet: Warum sollen wir ausgerechnet davon ausgehen, uns hinsichtlich unserer Weltwahrnehmung zu täuschen, wenn wir doch ansonsten eine recht stimmige Vorstellung davon haben, wie die Welt funktioniert? Wenn mich jemand fragt, ob ich meinen Birkenholz-Schreibtisch noch habe, dann sage ich "Ja". Sollte ich wirklich sagen "Höchstwahrscheinlich ja, aber ich bin nicht sicher?" Könnte ich mich theoretisch täuschen? Ja, das könnte ich. Beginne ich deshalb zu zweifeln? Nein, natürlich nicht. Theoretisch könnten Fernseher in Wirklichkeit von kleinen Kobolden angetrieben werden, aber wer möchte dieser Theorie einen echten Platz in unserem Leben einräumen und als Reaktion auf die Aussage eines Technikers, dass ein Fernseher defekt sei, jedesmal antworten: "Vorsicht mit dieser Behauptung - es könnte auch sein, dass die Kobolde darin schlafen!"? Ist das wirklich das, was du verlangst? Wenn nicht, dann mache dir zunächst einmal die Gründe dafür klar.
Bitte nimm die Fernseherkobolde als Maßstab für eine unsinnige Theorie und sieh ein, dass wir uns der Erklärung der Welt auf eine vernünftige, wissenschaftliche Art nähern müssen.

"Ein Fisch in einem See glaubt auch nicht, dass es eine Welt außerhalb des Sees gibt."

Danke für dieses Argument, es ist zwar im Prinzip dasselbe wie das letzte, beinhaltet aber, dass Fische nicht absichtlich getäuscht werden, wenn sie sich in einem See befinden. Es zählt außerdem zu meinen Lieblings-Argumenten, weil es intelligent und ehrlich ist. Also, die Frage ist wieder: Könnte es sein, dass es außerhalb unserer wahrnehmbaren Umwelt noch etwas ganz anderes, zum Beispiel einen Gott gibt?
Wie bei allen erkenntnistheoretischen Argumenten muss man einräumen, dass wir absolut keine Möglichkeit haben, etwas auszuschließen, was wir nicht wahrnehmen können. Es zählt also hier die vernünftige Einschätzung der Wahrscheinlichkeiten.
Zunächst einmal: Wie wahrscheinlich ist es, dass Fische in einem See (oder Meer) leben, zu dem es eine Außenwelt gibt, die ihren Horizont überschreitet? Die Antwort ist: nahezu 100 Prozent, denn fast alle Fische leben ausschließlich im Wasser, und außerhalb des Wassers gibt es definitiv noch eine andere wahrnehmbare Welt, die den Fischen verschlossen bleibt. Wer also nicht den grundlegenden Unterschied zwischen Fischen und Menschen kennt, muss annehmen, dass es möglich bis wahrscheinlich ist, dass auch wir in einer Umgebung leben, die unseren Horizont überschreitet.

Was ist denn nun der Unterschied? Er besteht darin, dass für Fische die Welt ohnehin nicht erklärbar ist. Das hört sich ein wenig seltsam an, ist aber wichtig. Könnten Fische ihre Welt, nämlich den See, erklären, müssten sie annehmen, dass es auch eine Welt außerhalb des Sees gibt, denn der See steht in reger Wechselwirkung mit seiner Umwelt. Fische könnten unmöglich erklären, warum sich die Wasseroberfläche bei Regen und Wind kräuselt, sie könnten nicht erklären, woher das Eichhörnchen kommt, das in den See gefallen ist. Sie könnten keine Biber, Enten und ins Wasser geworfenen Steine erklären und auch keine Austrocknung des Sees durch Verdunstung. Wenn wir intelligente Fische wären, würden wir anfangen, eine Möglichkeit zu entwickeln, die Welt außerhalb des Wassers zu erforschen. Wenn uns das nicht gelänge, würden wir sagen "Es gibt offenbar eine Menge komplexer Dinge außerhalb des Sees, aber wir sind ihnen, ohne weitere Erkenntnisse sammeln zu können, ausgeliefert".

Unsere Welt ist nicht so. Wir können (mit einigen interpretationsbedürftigen Ausnahmen wie schwarzen Löchern und Quantenfluktuationen) keine Phänomene erkennen, die die Integrität unseres naturwissenschafltichen Weltbilds (das geschlossene Universum) in Frage stellen. Wir leben nicht in einem See wie unsere Fische. Unser Universum ist nicht nach außen offen, sondern geschlossen. Es könnte eines von vielen Universen oder das einzige sein, aber was es auch "außerhalb" des Universums gibt, es hat keine Verbindung zu uns.

Falls wir wirklich als Fische in einer Art Aquarium Gottes leben, gibt es keine Pumpe, die das Wasser umwälzt, es gibt niemanden, der aufpasst, dass wir uns nicht gegenseitig zerfleischen, es gibt niemanden, der uns herausnimmt, wenn wir tot sind, es gibt niemanden, der uns füttert oder mal das Wasser wechselt oder die Scheiben reinigt. Es passiert rein gar nichts dergleichen, was man nicht vermuten würde, wenn es einen Gott gäbe. Wie groß ist unter diesen Umständen also die Wahrscheinlichkeit, dass wir trotz allem in einem Aquarium leben? Unfassbar klein, völlig zu vernachlässigen. Wer eine Vorstellung des Universums konstruieren möchte, in der es einen Gott gibt, muss etwas ähnliches konstruieren wie die Einbrechertheorie, also eine Theorie, die unglaublich unwahrscheinlich ist. Ich mag das Fische-Argument, aber es basiert auf ungültigen Grundvoraussetzungen.

Ich möchte zum Abschluss noch erwähnen, warum es das Fische-Argument (und fast alle anderen Argumente für Gott) überhaupt gibt, damit klar ist, wie man darüber urteilen soll. Menschen wie du und ich haben keinen natürlichen Drang, unsere Wahrnehmung in Frage zu stellen. Was uns die eigene Wahrnehmung in Frage stellen lässt, ist immer eine empfundene Unstimmigkeit. Wer die Hoffnung hat, dass ihn der ersehnte Liebespartner trotz einer zuvor erteilten Abfuhr dennoch liebt, beruft sich nicht auf die größtmögliche Wahrscheinlichkeit, sondern darauf, dass sein Leben sonst vermeintlich sinnlos und leer wäre. Die große Wahrscheinlichkeit, dass der potentielle Partner ihn tatsächlich nicht liebt, wird innerlich heruntergespielt, um die Integrität der eigenen Person und der eigenen Gefühle zu schützen. Um eine Stimmigkeit herzustellen, deren Verlust das Gehirn nur schwer verkraften kann.
Alle Bemühungen, Gott einen Platz einzuräumen trotz der Tatsachen, die dieser Hypothese widersprechen, ist ein Versuch, den Glauben nicht zu verlieren. Es ist kein Versuch, nach einer reellen Wahrscheinlichkeit für Gottes Existenz zu forschen. Wer nur nach Möglichkeiten sucht, wie es trotz aller Tatsachen, die auf etwas anderes hindeuten, einen Gott geben kann, urteilt in dieser Hinsicht nicht vernünftig und wird sich weder von mir noch von irgendjemand anderem überzeugen lassen, weil Wahrheitsfindung für ihn nicht relevant ist.

"Viele ernsthafte Theorien haben doch als absurde Gedankenspiele angefangen."

Das ist ein Grund, warum ich "absurde Gedankenspiele" ausdrücklich nicht kritisiere. Aber so zu tun, als sei an jeder Vorstellung ein Körnchen Wahrheit, ist einfach falsch und hat keine konstruktive Bedeutung für unser Leben. Wir können uns glücklicherweise vieles ausmalen und dabei aus einem großen Pool von Ideen schöpfen - ein Pool, der befüllt und angezapft werden sollte. Ich ermuntere andere Menschen, ihre Fantasie zu verwenden, weil mit der Fantasie meistens unverbindlich und ohne ernsthafte Konsequenzen gespielt werden kann. Wie man jedoch die Realität wahrnimmt und beurteilt, ist nicht unverbindlich und bleibt auch nicht ohne Konsequenzen.

"Einsteins Relativitätstheorie widerspricht dem gesunden Menschenverstand und wird trotzdem akzeptiert."

Es ist richtig, dass die Relativitätstheorie zusammen mit der Quantentheorie eine Gruppe von Modellen bildet, die für den gesunden Menschenverstand nicht zu verstehen sind. Warum diese Theorien allgemein akzeptiert werden, liegt ganz einzig und allein daran, dass sie beobachtbare Tatsachen erklären, die mit anderen Mitteln nicht oder nur schwer erklärt werden können. Die spezielle Relativitätstheorie beispielsweise bietet eine Möglichkeit, mit der aus jedem Bezugssystem heraus messbaren Konstanz der Lichtgeschwindigkeit umzugehen - etwas, was vor Einstein nicht möglich war. Es war eine Erklärungsnot für die Konstanz der Lichtgeschwindigkeit vorhanden, und Einstein hat ein Erklärungsmodell geschaffen. Wenn eine Theorie nicht irgendetwas erklärt, was ohne sie nicht erklärt werden kann, und wenn sie außerdem keine überprüfbaren Voraussagen erlaubt, die von denen alternativer Theorien abweichen, dann wird sie meistens verworfen. Eine Ausnahme gibt es dann, wenn sie ein eingängigeres und besser verständliches Erklärungsmodell bietet als alle anderen alternativen Theorien.

Einsteins Theorie ist nicht eingängiger als die Theorie Newtons, aber sie erklärt etwas, was Newtons Theorie nicht erklären kann, also wird sie so lange dort, wo es nötig ist, benutzt, bis man auf eine neue Erklärungsnot stößt, die eine weitere Theorie erforderlich macht. Die Gotteshypothese hat keine solchen Vorteile und muss daher verworfen werden.

"Weil die Kunde von Gott von so vielen Menschen vertreten wird, liegt die Beweislast bei den Atheisten."

Wer diese Behauptung aufstellt, hat sich offensichtlich niemals mit der Frage beschäftigt, wie man die Nichtexistenz von etwas beweisen soll, was zusätzlich auch noch keine überprüfbaren Vorhersagen zulässt. Kurz gesagt: Es ist nicht möglich, und damit auch nicht zu verlangen. Wissenschaftler scheren sich im Allgemeinen nicht um den Gottesglauben, aber sie tun etwas anderes: Sie bieten eine alternative Erklärung für die erfahrbare Welt und machen zutreffende Vorhersagen, stemmen also andersherum die Beweislast - etwas, was Gläubige nicht tun. Und das, obwohl sie keinerlei Verpflichtung dazu haben, denn die Beweislast liegt bei demjenigen, dessen Theorie komplizierter ist. Die wissenschaftliche Herangehensweise kommt auch ohne Gott aus, ist also schlanker als die Welterklärung mit der Gotteshypothese. Den Beweis, dass es Gott geben muss, sind also die Theisten schuldig.

"Atheisten sind auch religiöse Menschen, weil sie glauben, dass es keinen Gott gibt."

Dann sind Menschen, die davon überzeugt sind, dass es den Osterhasen nicht gibt, auch religiös? Menschen sind religiös, wenn sie glauben, dass es beliebige Fabelwesen und Romanfiguren nicht gibt? Wirklich - so einen lächerlichen Unsinn muss sich keiner gefallen lassen.

Atheisten sind also nicht prinzipiell religiöse Menschen, können es aber im Einzelfall sein. Der Atheismus an sich ist kein Dogma, also keine Lehrmeinung, deren Wahrheitsanspruch unumstößlich ist, aber Atheisten können an anderen Dogmen festhalten oder den Atheismus zum Dogma erheben. Es kann Sinn machen, einem Atheisten seine dogmatische Sichtweise vorzuwerfen, aber diese besteht meist nicht im Atheismus selbst, weshalb man an dieser Stelle etwas präziser sein muss.