Mein Macbook Pro Retina 13"

Ich hatte bisher noch keine Berührungen mit der MacOS-Welt und besitze lediglich seit einiger Zeit ein iPad und ein iPhone. Animiert durch die hervorragende Qualität dieser Geräte, und natürlich auch voller Neugier, außer Windows und Linux auch noch das dritte meistgenutzte Betriebssystem für den Heimgebrauch kennenzulernen - und, nicht zuletzt, dem Zwang ausgesetzt, ein neues Notebook anzuschaffen, um auch von unterwegs aus programmieren zu können, habe ich mir Ende Juli 2013 ein Macbook Pro Retina 13" angeschafft.

25.07.2013


Ich habe nach etwa einem kompletten Tag Benutzung nicht das Gefühl, als wäre OSX dafür hergestellt worden, um effizient damit zu arbeiten. Ich habe keine Möglichkeit gefunden, ein Programmfenster über den gesamten Desktop zu maximieren, ohne daraus gleich ein spezielles Vollbild-Fenster zu machen. Oder ein Fenster zum Beispiel an den linken Bildschirmrand anzudocken und ein anderes an den rechten, um Dateien herumzuschubsen.
Ich weiß nicht, ob es diese Möglichkeiten gibt, aber allein die Tatsache, dass ich nicht in der Lage war, sie zu finden, ist schon ein bisschen peinlich, wie ich finde. Jedenfalls nervt es tierisch, die Fenster am unteren rechten Rand auf die gewünschte Größe zu ziehen, anstatt sie wie in Windows an den oberen Bildschirmrand anzudocken, um ein Vollbild zu bekommen. Die ganze Vollbild-Regelung finde ich sehr schlecht umgesetzt.

Auch einen zweiten Monitor bekomme ich nicht so richtig zum Laufen. Schließe ich per HDMI einen an, ruckeln die Desktop-Effekte, und sobald man irgendwo in den Vollbild-Modus wechselt, bekommt man auf dem jeweils anderen Display nichts mehr angezeigt. So kann ich dann wieder nur ein Display nutzen. Völlig unbrauchbar. Mit OSX Mavericks soll es Verbesserungen geben, wie auf der WWDC gezeigt wurde. Das ist zum Glück nur noch wenige Monate hin.

Das Multitouch-Trackpad ist ganz gut zu gebrauchen, finde ich. Nur die Software-Unterstützung ist regelmäßig nicht schnell genug, um mir das Gefühl zu geben, dass es genau das macht, was ich möchte. Möchte ich beispielsweise mit zwei Fingern scrollen, reagiert es erst etwa 100 Millisekunden später, was nicht schlimm ist, aber eben spürbar. Auch die Scrollweite ist für mich schwer zu regulieren, weil die Scrollbeschleunigung nichtlinear konzipiert ist. Man kann sehr lange Webseiten mit einem schnellen Wisch komplett durchscrollen oder sehr langsam darauf scrollen, je nach Wischgeschwindigkeit, aber eine präzise Dosierung gelingt mir oft nicht.

Mit zwei Fingern wischen kann man auch, um zum Beispiel zwischen den zuletzt besuchten Webseiten in Safari zu wechseln. Im Finder gibt es auch einen Zurück-Button, der auf die Wischgeste aber nicht reagiert. Warum nicht? Was der Finder anscheinend auch nicht hat, ist ein Button, um in das jeweils übergeordnete Verzeichnis zu wechseln. Ich vermisse aus Windows jede Menge Werkzeuge, um einigermaßen komfortabel in der Verzeichnisstruktur herumzupfuschen.

Schon nach einem Tag habe ich die Befürchtung, dass sich mein Notebook auch mit zwei externen Displays kein bisschen als Desktop Replacement eignen wird.

Den angeblichen 7-Stunden-Akku hatte ich nach etwa 1,5 Stunden normaler Benutzung bei moderater Helligkeit auf unter 50%, aber die mobile Laufzeit ist mir auch nicht so wichtig. Da ärgert es mich eher, dass mein iPhone nur einen halben Tag durchhält, wenn ich es ab und zu benutze.

Zweimal im Laufe des Tages haben mir Programme ein graues Fenster gezeigt, welches sich nicht schließen ließ, weil es nicht die entsprechenden GUI-Elemente hatte. Weil ich den OSX-Affengriff noch nicht kannte, habe ich das System neu gestartet, was glücklicherweise sehr schnell geht. Das System neu starten musste ich auch, weil es ein Update gab. Und ich dachte, dass die Mac-User sich über Windows lustig machen, weil man es so häufig neu starten muss. Na, mal schauen, wie häufig das bei OSX vorkommt...

Programme - so habe ich gelernt - kann man über cmd-Q beenden. Das ist schön, funktioniert aber zum Beispiel nicht für die Finder-Fenster. Das finde ich irritierend. Entweder überall oder gar nicht, denke ich.

EDIT: Im Finder kann man cmd-W benutzen.

Unter dem Appstore hatte ich mir auch irgendwie etwas anderes vorgestellt. Auf den iOS-Geräten kann man keine Apps installieren, ohne den Appstore dafür zu nutzen. (Vorausgesetzt, man verwendet keinen Jailbreak.) Nun dachte ich, dass der Mac seine Programme auch vorwiegend aus dem Appstore bezieht und man so quasi alles aus einer Quelle und mit automatischen Updates bekommt. Die Programme, die ich brauchte (zum Beispiel Netbeans, Chrome, Filezilla, Dropbox, Skype, Virtualbox, Sublime Text, Cheatsheet, Spotify...) konnte ich sämtlich nicht aus dem Appstore beziehen. Hatte ich mir einfach anders vorgestellt und wüsste jetzt nicht unbedingt, wozu ich den Appstore brauchen sollte...

Alles in allem hat mich das Macbook (und dabei vor allem OSX) eher enttäuscht. Ich schreibe das nur sehr ungern, immerhin habe ich 1700 Euro für mein Macbook ausgegeben, aber es ist die Wahrheit. Ja, ich bin mit hohen Erwartungen an das Betriebssystem herangegangen, weil ich das iPhone und iPad für sehr praktische und gut konzipierte Geräte halte und mir von Apples Desktop-OS eine ähnliche Glanzleistung erhofft hatte, aber auch ohne hohe Erwartungen gibt es einiges - EINIGES - was der effizienten Arbeit eines Newbies im Wege steht. Schade. Ich denke, dass OSX ähnliche Schwächen wie Windows oder Linux hat. Leider kommt es mir insgesamt noch weniger gereift vor als Windows 7, was sehr traurig ist, denn auch in Windows gibt es viel zu bemängeln.

26.07.2013


Weil OSX meinen Webserver im Netz nicht unter seinem Hostnamen gefunden hat, sondern nur mit der IP etwas anfangen konnte, wollte ich (als unsaubere Notlösung) die Hosts-Datei verändern. Dabei war ich nicht in der Lage, die reale Verzeichnisstruktur von OSX im Finder aufzufinden.

Über die Konsole konnte ich das Problem glücklicherweise leicht lösen. Dass OSX ein UNIX-System ist, finde ich sehr sympathisch, und ich freue mich, dass ich out of the box SSH benutzen kann, weil ich häufig mit Remote-Servern kommunizieren muss.

Ich bekomme Netbeans nicht mehr aus dem Vollbild-Modus heraus. Keine Ahnung, was ich tun kann, das Programm hängt im Vollbild fest, auch wenn ich auf das blaue Vollbild-Verlassen-Icon klicke.
Überhaupt ist Netbeans nicht gut zu verwenden auf dem Macbook. Im Programmcode-Fenster kann ich mit zwei Fingern horizontal scrollen, in den Suchergebnissen aber nicht, da muss ich mit dem Mauszeiger die Scrollbar betätigen. Außerdem ist das Programm nicht an das Retina-Display angepasst, was natürlich nicht Apple angelastet werden kann, aber trotzdem sehr schlecht aussieht.

27.07.2013


Ich öffne über die Hochwisch-Geste Mission Control, klicke auf das offene Netbeans-Fenster, und was kommt? Firefox. Ich kann Netbeans über Mission Control nicht mehr erreichen, sondern muss erst Firefox minimieren. So langsam finde ich OSX lieblos und stümperhaft zusammengeklatscht. Vielleicht ist es etwas für Leute, die nicht professionell mit Computern arbeiten wollen. Ich möchte möglichst schnell von A nach B kommen und mich nicht zwischendrin mit dem System abmühen.

Das Retina-Display ist sehr schön und schont die Augen, wenigstens etwas.

Mit Netbeans habe ich schon das nächste Problem. Schalte ich die Retina-Auflösung auf "Mehr Fläche", kann ich das Netbeans-Fenster nicht mehr ins Vollbild bringen und nicht mehr über den gesamten Bildschirm ziehen. Ein Klick auf den Plus-Button bringt auch nichts. Langsam geht mir das Fenster-Management von OSX wirklich auf den Keks. Mit 13" habe ich ja schon ein relativ kleines Display, aber wenn ich dann auch noch gehindert werde, die volle Breite zu nutzen... aargs.

Den Tastaturbefehl, um im Finder in ein übergeordnetes Verzeichnis zu wechseln, habe ich inzwischen aus dem Netz gelernt, weil es nicht mehr anders ging: cmd-PfeilOben. Warum es aber keinen entsprechenden Button gibt, bleibt mir ein Rätsel.

Nach einem Neustart von Netbeans kann ich genau das machen, was ich wollte: Das Fenster lässt sich jetzt über den ganzen Desktop ziehen, und einen Vollbild-Button gibt es auch wieder. Dauernd muss man Programme neu starten, weil sie nicht mehr ordentlich zu benutzen sind.

Ich habe mein Macbook nun mal unterwegs dabei gehabt und regulär gearbeitet. Meine Enttäuschung weicht langsam einer stoischen Gelassenheit. Ich habe mir alles so hingebastelt, dass es funktioniert, und brauche für meine Arbeit primär einen Linux-Webserver in einer Virtualbox-Maschine, Filezilla und Netbeans. Die kleinen Macken ignoriere ich und komme so zurecht, aber ich bin froh, wenn ich zuhause die gesamte Fläche meiner drei Monitore nutzen kann, ohne dass alle anderen grau werden, wenn man irgendwo was ins Vollbild schaltet. In dieser Hinsicht hat Apple komplett versagt, und zwar so, dass es nicht hinnehmbar ist.
Mein Macbook verlockt mich kaum dazu, mehr mit ihm zu machen, als ich muss. Ich habe Skype installiert und mir meine Mailaccounts konfiguriert sowie meine Kontakte mit Google gesynct - eben alles, was man so unterwegs braucht.

Ich hatte mich darauf gefreut, Xcode für meine PHP-Entwicklung zu benutzen, aber Xcode unterstützt die Sprache leider nicht, deswegen bleibe ich vorerst bei Netbeans und werde mich von Zeit zu Zeit mal nach einer Alternative umsehen.

28.07.2013


Hat mein Macbook soeben, als ich nach Hause gekommen bin, tatsächlich das WLAN-Kennwort meines Routers vergessen?? Angeblich war keines meiner bevorzugten Netzwerke verfügbar, und als ich meinen Router ausgewählt hatte, musste ich das Passwort neu eingeben. Soll das ein Witz sein? ^^

Unschön finde ich leider, dass die Tastatur des Macbooks keine Tastenbezeichnungen für Backslashes oder geschweifte Klammern hat. Ja, man kann diese Zeichen eingeben, aber ich muss mir tatsächlich merken, dass ich Shift-Alt-7 für einen Backslash drücken muss, weil bei Alt-7 nämlich ein Pipe-Zeichen kommt. Hach ja, sehr programmierfreundlich...

Auch gestern hatte ich das Macbook in wenigen Stunden (eher 3 als 7) leer. Nur gut, dass es sehr, sehr flott wieder auflädt :)

Froh bin ich auch um die Spotlight-Suche in der Menüleiste. Sie könnte zwar etwas intelligenter sein, aber dafür scheint sie die Dateien weitreichender zu indizieren als die Suche im Windows-Startmenü.

29.07.2013


Ich habe gerade gemerkt, dass mir OSX mein komplettes Server-Filesystem mit DS_Store-Dateien zuballert, jeden einzelnen besuchten Ordner. Oh mann, diese Funktion muss ich ausschalten und erstmal den Server aufräumen.

OSX schafft es leider (im Gegensatz zu Windows 7) noch immer nicht, den Hostnamen meines virtuellen Debian-Webservers aufzulösen. Mit einer festen IP komme ich auch nicht weiter, so dass ich mal testweise ein Gnome auf meine VM geworfen und meine Entwicklungsumgebung (Netbeans) direkt in die VM verlegt habe, so dass sie dort auf lokale Ressourcen zugreift, während ich dann in der VM selbst entwickle. Mal sehen, ob sich dieser Ansatz bewährt... einerseits ist die VM durch die GUI aufgebläht, andererseits habe ich so hoffentlich keine Netzwerkprobleme mehr.

Schön an OSX mit Trackpad finde ich die Wischgeste zum Einblenden des Notification Centers.
[Am 25.07.2013 um 20:52 Uhr von Hexe erstellt und zuletzt am 29.07.2013 um 15:50 geändert.]
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