Meine Triops-Aufzucht

In der Nacht zum 06.01.2010 habe ich ein Gefäß zum Transport von Kleintieren zu einer Triops-Aufzuchtstation umfunktioniert, es mit destilliertem Wasser gefüllt und einen Zuchtansatz der Art " Triops cancriformis" beigemischt. Ich habe mich für diese Art entschieden, weil sie keine spezielle Wasserbeheizung benötigt.

Triops?


Triops cancriformis gilt laut Wikipedia als älteste bekannte Tierart der Welt und wurde fossil in 220 Millionen Jahre altem Gestein nachgewiesen, was bedeutet, dass es Triops auf der Erde gab, bevor sich Dinosaurier entwickelten. Es handelt sich dabei um einen Kiemenfußkrebs, der entfernt mit den aus YPS-Heften bekannten Urzeitkrebsen " Artemia salina" verwandt ist. Die Krebse werden durchschnittlich 6-8 Zentimeter lang und leben im Gegensatz zu Artemia im Süßwasser. Die Spezies "Triops cancriformis" ist hauptsächlich in Europa verbreitet und bewohnt dort temporär bestehende Gewässer, zum Beispiel Tümpel und Pfützen.

06.01.2010 - Tag 1


Von Krebsen ist natürlich noch keine Spur zu sehen, mit ihnen rechne ich frühestens in etwa 2 Tagen. Das Wasser ist klar, der Beckenboden ist dünn mit Sand bestreut, und auf der Oberfläche haben Mikropartikel aus dem Zuchtansatz einen Film gebildet, der durch die Oberflächenspannung nach wie vor auf dem Wasser schwebt.








11.01.2010 - Tag 6


Ich war über das Wochenende nicht zuhause, konnte nun aber im Wasser die erste kleine Krebslarve ausmachen. Ich hoffe, dass dies nicht der einzige Triops sein wird, der sich weiterentwickelt. Die winzige Larve (man nennt sie  Nauplius) ist weiß und recht flippig, aber es ist leider sehr schwierig, Bilder davon zu machen.







Es könnte sein, dass viele der anderen Eier beziehungsweise  Zysten (oder sogar alle) nicht ins Wasser gesunken sind, sondern sich an der Oberfläche oder den Beckenwänden festgesetzt haben. Im Laufe des Tages habe ich mir eine Spritze besorgt, um den Wand- und Oberflächenbelag mit Wasser abzuspülen. Ein einziger Krebs soll es nun wirklich nicht bleiben. Der Film auf Wänden und Oberfläche ist nun fast vollständig verschwunden - falls dort noch entwicklungsfähige Eier lagerten, habe ich gute Chancen.

Die Larve lässt sich übrigens mit Licht zuverlässig anziehen. Lege ich eine Taschenlampe vor das Becken, taucht die Larve nach 1-2 Minuten direkt an der Scheibe im Lichtkegel auf und bleibt dort. Da die Larve noch so klein ist, lässt sie sich auf diese Weise gut aufspüren.

Ich habe mir heute auch ein 20-Liter Nano-Aquarium besorgt, um die erwachsenen Tiere etwas komfortabler beherbergen zu können.







Das weiße "Etwas" links im linken Bild des Aquariums ist übrigens eine Luftblase an der Rückwand - das Jungtier ist noch zu klein, um sichtbar zu sein.

Um den Nauplius einerseits im Aufzuchtbecken lassen zu können, ihm aber andererseits auch günstige Lichtverhältnisse zu bieten, habe ich mich dazu entschlossen, das Aufzuchtbecken ins Aquarium zu stellen. So könnte ich beispielsweise auch per Zeitschaltuhr 10-12 Stunden Sonne am Tag simulieren.

12.01.2010 - Tag 7


Ich habe noch keine weiteren Nauplien gesichtet als den einen schon bekannten. Dieser entwickelt sich ganz normal, schwimmt mal hierhin und mal dorthin, ist auf jeden Fall ständig auf Achse.







Ich habe heute eine Membranpumpe ("Eheim Luftpumpe 3701 - Air Pump 100") und einen Schwammfilter (Lufthebefilter) geordert, damit ich bald das Aquarium in Betrieb nehmen kann. Die Auswahl des richtigen Filters ist wichtig, damit die kleinen Wirbellosen nicht in die Pumpmechanik geraten oder vom Wasserstrom zerrissen werden können.

13.01.2010 - Tag 8


Es besteht wohl keine Hoffnung mehr, dass sich aus meinem jetzigen Ansatz noch weitere Tiere entwickeln. Ich muss also an die Zukunft denken und es meinem inzwischen etwa 3 Millimeter langem Krebs so angenehm wie möglich machen. Das bedeutet, dass ich ihn bald ins Aquarium umsetzen werde, wobei dann die Frage besteht, mit welche anderen Lebewesen ich ihn dort vergesellschaften möchte. Im Moment denke ich über Schnecken, Garnelen und Mooskugeln nach. Nachdem mein Triops ins Aquarium übergesiedelt ist, könnte ich auch eine zweite Aufzucht von Triops cancriformis starten, um dem Erstgeborenen eine Familie zu geben.

Was ich sehr seltsam finde, ist, dass der Nauplius überhaupt nicht aussieht, als repräsentiere er irgendein Stadium der Triops-Entwicklung. Er ähnelt eher einem Artemia- oder Eubranchipus-Jungtier, doch glaube ich nicht, dass ein Salzkrebschen im Süßwasser bestehen könnte, so dass es sich nur um einen Feenkrebs handeln könnte. Ich werde einfach ein wenig abwarten und weiter beobachten. Immerhin ist der Krebs so groß geworden, dass man bald auch mit bloßem Auge Details ausmachen können wird.







Es ist allerdings etwas schwieriger geworden, das Tier zu fotografieren, weil das Aufzuchtbecken nun im Aquarium steht und meine kleine Kamera nicht mehr gut durch diese zwei Schichten hindurch fokussieren kann.

14.01.2010 - Tag 9


Mein Krebs ist, soweit ich das beurteilen kann, überraschend gestorben. Ich kann ihn jedenfalls nicht mehr im Becken ausmachen, und er ist schon zu groß, als dass ich ihn übersehen könnte, wenn er sich normal im Wasser aufhielte. Eine Leiche konnte ich bislang allerdings auch nicht erkennen, also kann ich nicht ausschließen, dass er auf den Grund gesunken ist und dort regungslos verharrt. Das würde mich zwar sehr wundern, weil ich ihn als eine fortwährend im Becken herumpulsierende Strudelmaschine kennengelernt habe, aber möglich ist es zumindest.

Eine weitere Überraschung ist, dass sich im Wasser nun doch ein neuer Nauplius befindet. Noch ist er so klein, dass ich ihn nur als Punkt erkennen und nicht fotografieren kann, aber er macht kleine ruckartige Bewegungen und hat sich damit eindeutig als etwas Lebendiges geoutet. Eine positive  Phototaxis ist bei dem Kleinen jedoch nicht zu erkennen - er reagiert nicht auf meine Taschenlampe.

Update: Ich habe den "alten" Krebs nun doch noch entdeckt. Ich habe es mir nicht nehmen lassen, mit einer Spritze ein wenig den Grund aufzuwirbeln, wobei er dann kurz hochgeschwebt ist. Der Krebs ist nicht tot, aber er bewegt sich kaum noch, so dass ich damit rechnen muss, dass er im Laufe der nächsten Stunden oder 1-2 Tage nicht mehr unter uns weilen wird. Wenn es soweit ist, kann ich versuchen, ihn herauszufischen, um eine Zeichnung anzufertigen.
Ich würde ihn gerne isolieren und in frisches Wasser umsiedeln, aber ich habe keine Werkzeuge, um ihn unbeschadet aus dem Becken zu nehmen. Ich vermute mal, dass er gestorben ist, wenn ich von der Arbeit zurückkomme.

17.01.2010 - Tag 12


So wie ich es erwartet hatte, ist der Krebs in der Zwischenzeit gestorben, und auch der winzige zweite Nauplius war nicht mehr zu entdecken. Ich habe vorgestern das Wasser gewechselt und einen zweiten Ansatz gemacht. Sobald ich etwas Lebendiges zu Gesicht bekomme, berichte ich gesondert darüber.

18.01.2010 - Tag 13


Es sind leider noch keine Nauplien zu sehen. Geduld, Geduld, Geduld. Davon habe ich anscheinend etwas zu wenig.

28.01.2010


Ich erkläre hiermit nachträglich das Experiment (zumindest bezogen auf die Triops) für gescheitert. Auch aus dem zweiten Ansatz ist kein einziger Triops geschlüpft. Das Becken wird geleert und für einen weiteren Ansatz vorbereitet.

Auf anderen Seiten ist einiges über Mein Garnelenbecken und Mein Nano-Aquarium zu lesen.
[Am 07.01.2010 um 01:48 Uhr von Hexe erstellt und zuletzt am 28.01.2010 um 01:48 geändert.]
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