Windows 7

Wer im Netz nachschaut, findet momentan (Mitte Oktober 2009) hauptsächlich Reviews des Windows 7 Release Candidates (RC), aber kaum Erfahrungsberichte von Nutzern der Auslieferversion. Das ist klar, denn Windows 7 ist erst am 14. Oktober offiziell als System Builder-Version erschienen. Ich möchte hier meine eigenen Ansichten der Professional-Version des neuen Betriebssystems von Microsoft schildern.

Installation


Die Installation von Windows ist seit Windows Vista komplett mit einer grafischen Oberfläche versehen, anstatt optisch zunächst auf einer DOS-Umgebung aufzusetzen. Das sieht nett aus, ist aber mittlerweile nichts Aufregendes mehr, denn auch andere Betriebssysteme wie das Allerwelts-Linux Ubuntu werden vollgrafisch installiert.
Ich habe vor der Installation auf meinem Laptop ein Komplett-Backup meiner Daten gemacht, was insgesamt etwa 9 Stunden gedauert hat, weil ich vorhatte, die Festplatte während des Aufspielens neu zu formatieren. Bei der Installation stellte ich dann fest, dass das weder nötig noch möglich war - Windows teilte mir mit, dass meine alte Installation in den Ordner "Windows.old" verschoben würde. Eigentlich wollte ich das nicht, aber schlimm fand ich es auch nicht, und so habe ich es dann dabei belassen, anstatt meine Festplatte eigenhändig zu formatieren. Alternativ hätte ich auch die Möglichkeit gehabt, Windows Vista auf Windows 7 zu updaten, aber das hatte ich nicht geplant.

Ob es am Verschieben der alten Daten (ca. 460 GB) lag oder an etwas anderem, weiß ich nicht, aber die Installation dauerte bei mir sehr lange, ich habe etwa zweieinhalb Stunden damit zugebracht und dachte schon, der Installer sei mit dem Status "Installation wird abgeschlossen" abgestürzt. Privatanwendern dürfte es egal sein, ob die Installation von Windows 30 Minuten (wie noch bei Windows XP) oder zweieinhalb Stunden dauert, und mir persönlich hat es auch nicht viel ausgemacht, denn ein kleines Abenteuer war es schließlich auch, aber für einen IT-Dienstleister wird die Installation von Windows 7 unter diesen Umständen zur Geduldsprobe.
Ich habe Windows 7 allerdings zunächst unter Vista in einer Virtuellen Maschine installiert, und diese Installation lief zügig durch, also muss ich annehmen, dass die lange Wartezeit bei der Hauptinstallation am Verschieben der Dateien lag.

Das Verschieben der Daten fand ich insgesamt sehr gut, aber erstens hätte man dem Benutzer die Wahl lassen sollen zwischen Verschieben und Formatieren, und zweitens wurden nicht alle Daten aus dem Stammverzeichnis ("C:") in den "Windows.old"-Ordner verschoben, sondern nur der Windows-Ordner und alle anderen, die bei der Installation sowieso neu angelegt wurden, zum Beispiel die Ordner "Benutzer" und "Programme". Alle anderen Ordner blieben einfach so im Stammverzeichnis. Das habe ich als ungünstig empfunden, weil der Benutzer so nicht mehr genau unterscheiden kann, welche Ordner zum neuen Windows gehören, und welche noch von der alten Installation übrig geblieben sind. Es wäre besser gewesen, alle Ordner und Dateien zu verschieben.

Erste Eindrücke


Ich war erstaunt über die Startzeit von Windows 7, denn obwohl mir scheint, dass bei der Installation aller Windows-Produkte zu lesen ist, dass die gerade aktuelle Version von Windows die schnellste und beste und überhaupt ist, startete mein Vista langsamer als das XP, und da Windows 7 auf dem Vista-Kern aufsetzt (beziehungsweise eigentlich andersherum), hätte ich erwartet, dass Windows 7 zwar optisch schöner, aber auch träger wird als Vista. Das hat sich nicht bestätigt - Windows 7 startet wesentlich schneller zur Anmelde-Oberfläche und ist auch von dort aus eher komplett betriebsbereit als Vista.

Die Aero-Oberfläche war bei mir zunächst ausgeschaltet, weil meine GeForce-Grafikkarte als Standardgerät ohne die richtigen Treiber installiert wurde. Ich war in der ersten Minute ziemlich enttäuscht, aber nachdem ich den Grund herausgefunden hatte, konnte ich ohne Probleme den nVidia-Treiber von Hand nachinstallieren und Aero einschalten. Aero bietet seit Windows Vista zahlreiche grafische Effekte für das Betriebssystem und ist cool und praktisch - vielen Dank, Microsoft.

Sehr gewöhnungsbedürftig ist die neue Taskleiste, die jetzt "Superbar" heißt. Standardmäßig zeigt die Superbar kein Programmfenster mehr für geöffnete Programme an, sondern zeichnet nur noch einen Rahmen um ein Symbol des Programms. Aber ich finde das primär gar nicht schlecht, denn so bleibt sie übersichtlich, auch wenn mehrere Programme und mehrere Instanzen von Programmen geöffnet sind.

Das Windows Update KB974431 (ein Zuverlässigkeitsupdate) hat mir meine TCP/IP-Verbindungen inklusive DNS (also im Wesentlichen meine Internetverbindung) zerschossen, aber ich konnte das Update deinstallieren, und danach lief alles wie gewünscht. Das macht zwar keinen guten Eindruck, aber wenn man bedenkt, wie katastrophal Windows XP und Windows Vista unmittelbar nach dem Release liefen, bin ich sehr zufrieden.

In Windows 7 wurde einiges von anderen Betriebssystemen (wie Mac OSX oder Linux) übernommen, und das war eine gute Entscheidung. So verzichtet Windows zwar auf effektheischerische Optiken und Features, hat aber auch längst nicht mehr den nonnenhaften Anstrich von Windows 2000.

Hintergründe


Um die Zusammenhänge zwischen Windows Vista und Windows 7 zu verstehen, muss man wissen, dass Windows 7 das ist, was Vista eigentlich hätte werden sollen. Ich möchte nicht ins Detail gehen, denn schließlich ist dies kein Aufsatz über Windows 7, sondern ein Erfahrungsbericht, aber ein paar klärende Worte möchte ich doch nicht verschweigen.
Microsoft wollte ein Betriebssystem wie Windows 7 ursprünglich direkt als Nachfolger von Windows XP auf den Markt bringen, doch während der Entwicklungszeit des Projekts mit dem Namen "Blackcomb" (später "Vienna") entschloss sich Microsoft - möglicherweise wegen sinkender Marktanteile von Windows als OEM-Beigabe von Fertigrechnern - doch noch vorher ein Betriebssystem zu veröffentlichen. So wurden Teile des "Blackcomb"-Projekts (also des späteren Windows 7) unter dem Namen Vista zwischenveröffentlicht. Das ist der Grund, warum Vista sich optisch und akustisch nicht sehr von Windows 7 unterscheidet, und warum in Vista einige Konzepte etwas halbgar zu sein scheinen. Eigentlich hätte es Vista gar nicht geben sollen, und Windows 7 ist der legitime Nachfolger von Windows XP.

Neue Funktionen


- Die Aero-Oberfläche wurde um einige komfortable Vorschau-, Transparenz- und Fenster-Management-Effekte erweitert.
- Die Superbar ersetzt die Taskleiste.
- Die Sidebar von Vista wurde entfernt, die Gadgets lassen sich jedoch weiterhin auf dem Desktop platzieren.
- Es wurden einige Veränderungen vorgenommen, die die Geräteverwaltung komfortabler machen.
- Die UAC (Benutzerkontensteuerung) wurde so umgebaut, dass sie flexibler einstellbar ist und nicht dauernd herumzickt.
- Die klassische Ansicht von Systemsteuerung und Startmenü wurde gestrichen.
- Der Windows Explorer kann mit virtuellen Bibliotheken aufgewertet werden, die verschiedene Speicherorte gemeinsam darstellen.
- Die Suchfunktion von Vista wurde weiter ausgebaut.
- Es wurde eine Unterstützung für Multitouch-Anzeigegeräte eingebaut.
- Das neue DirectX11 ist enthalten.
- Microsoft Paint und Wordpad glänzen nun im "Ribbon-Control"-Outfit von Office 2007.
- Die "Power Shell" soll erweiterte Scripting-Funktionen enthalten.
- Es wurde ein Fehleraufzeichnungsprogramm hinzugefügt.
u.v.a.

Kompatibilität


Vista konnte ich wegen Kompatibilitätsproblemen bis zum Erscheinen des ersten Service Packs (und das war eine lange Zeit) nicht benutzen, so dass ich gezwungen war, meinen "Vista only"-tauglichen Laptop mit Treibern für andere Geräte auszustatten, um ihn unter XP lauffähig zu machen. Das war eine sehr, sehr mühsame Aktion, aber es war nun eben nötig, weil unter Vista zahlreiche Programme nicht liefen. Mit dem ersten Service Pack wurden diese Probleme behoben, und ich konnte auf Vista umsteigen. Ich wusste natürlich, dass Vista mit dem Windows-7-Kern läuft, hatte aber trotzdem so meine Befürchtungen, dass nach der Installation von Windows 7 vielleicht auch wieder einige lebenswichtige Programme ihren Dienst versagen würden. Wie aber eigentlich erwartet, setzt Windows 7 auf Vista mit Service Packs auf, so dass ich keine größeren Kompatibilitätsprobleme hatte. Die in der Professional Edition integrierte virtuelle XP-Emulation habe ich also bislang nicht gebraucht, lediglich der Treiber meiner externen Soundkarte Fast Track Pro konnte nicht unter Windows 7 installiert werden, so dass ich hier auf eine Neuentwicklung aus dem Hause M-Audio warten muss.

Die Superbar


Wie eingangs erwähnt, empfinde ich die Superbar als gewöhnungsbedürftig. So habe ich statt eines getrennten Firefox-Schnellstartsymbols und den geöffneten Firefox-Taskleistenfeldern nun nur noch ein Firefox-Symbol. Bei einem Klick darauf wird mir von Aero eine Vorschau der geöffneten Fenster angezeigt. Möchte ich ein neues Fenster öffnen, muss ich einen Rechtsklick machen und noch einmal auf "Mozilla Firefox" klicken. Das ist ein Klick mehr als früher, aber dafür verstopfen keine geöffneten Fenster die Superbar. Vielleicht sollte die Anwendung bei einem abermaligen Klick auf das Symbol ein neues Fenster öffnen, das wäre eine Alternative. Aber ich bin auch so zufrieden und werde mich an den neuen Umgang gewöhnen.

Aero


Ich persönlich finde Aero eine tolle Idee. Die zahlreichen Effekte sind nicht übertrieben, sondern sorgen für ein dezentes, nahtloses Wohlgefühl beim Umgang mit Windows. Ich möchte kein Windows mehr ohne Aero (oder Vergleichbares). Ein Betriebssystem muss in meinen Augen nicht nur funktional, sondern auch angenehm zu bedienen sein. Besonders schön ist, dass die Aero-Effekte wohl vornehmlich von der Grafikkarte selbst erzeugt werden und nicht von der CPU, so dass sie einerseits das System nicht belasten und andererseits nicht herumzicken, wenn der Prozessor etwas zu tun hat. Effekte sind nur dann schön, wenn sie flüssig laufen, und das ist bei Windows 7 der Fall. Sehr gut gelungen!

Geschwindigkeit


Windows 7 ist schneller als Vista und zieht meinem Eindruck nach etwa mit XP gleich. Das finde ich sehr gut, weil ich die Befürchtung hatte, alle grafischen Spielereien (also vor allem Aero) und neuen Features mit Performance-Einbußen bezahlen zu müssen. Ich habe keine Benchmarks laufen lassen, aber Windows 7 läuft bei mir optimal flüssig und sauber und ohne irgendeinen Grund zum Meckern.

Fazit


Ich finde Windows 7 gut gelungen. Es ist sehr flott und komfortabel, weitgehend rückwärtskompatibel zu Windows XP und Vista, sieht optisch ansprechend und übersichtlich aus und läuft stabil. Einige Treiber für meine Laptop-Komponenten wurden zwar nicht mitinstalliert, aber es wurden in jedem Fall Standard-Gerätetreiber eingebunden, so dass alle wesentlichen Möglichkeiten gegeben waren. Ich hatte bisher keinen Bluescreen und keinen anderweitigen Absturz.
Die seit Vista bestehende Ansicht der Systemsteuerung ist meiner Ansicht nach nicht übersichtlich genug, und Microsofts Tendenz zur "Ribbon Control" kann ich auch nicht nachvollziehen, aber insgesamt halte ich Windows 7 für das beste Windows, das es jemals gab. Die Änderungen gegenüber Vista sind nicht überwältigend und stellen sich, gerade vor dem historischen Hintergrund von Windows 7, als Perfektionierungen von Vista dar. Alles in allem ist Windows 7 kein komplett neues System, sondern eine Weiterentwicklung der XP-Vista-Reihe.
[Am 16.10.2009 um 07:27 Uhr von Hexe erstellt und zuletzt am 16.10.2009 um 13:26 geändert.]
21.10.2009 - 17:57 Uhr     melli# 42
soso am os testen, haha, und sonst alles fit? hab dich ja lang nicht mehr im icq on gesehen!


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